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Schilddrüse: 10 Dinge, die Sie wissen sollten

Kleines Organ, aber viele Krankheiten: Ob zu Knoten, Über- oder Unterfunktion, hier finden Sie die wichtigsten Antworten rund um die Schilddrüse
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 18.10.2017

Schilddrüsenprobleme erkennen: Ein Kropf lässt sich oft ertasten

Fotolia/Adiano

Sie sitzt im vorderen Halsbereich und hat die Form eines Schmetterlings: die Schilddrüse. Das Organ erfüllt zahlreiche Aufgaben in unserem Körper. Schilddrüsenhormone beeinflussen Stoffwechsel, Kreislauf, Wachstum und Psyche. Krankheiten der Schilddrüse können sich deshalb vielfältig äußeren.

Wann man gefährdet ist, welche Symptome auftreten können und wie man einer Schilddrüsenerkrankung vorbeugen kann: Lesen Sie die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

1. Wie häufig sind Schilddrüsenerkrankungen?

Störungen sowie kropfähnliche Veränderungen der Schilddrüse kommen relativ häufig vor. Sie sind oft ungefährlich. Eine Behandlung ist nur in bestimmten Fällen wirklich notwendig.

2. Wie arbeitet die Schilddrüse?

In der Schilddrüse entstehen die beiden wichtigen Hormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4), die von dort aus ins Blut gelangen. Zur Produktion dieser Hormone benötigt die Schilddrüse Eiweiß und Jod. Da der menschliche Körper kein eigenes Jod herstellt, muss er es in ausreichender Menge über die Nahrung zu sich nehmen. Bei Jodmangel kann sich die Schilddrüse vergrößern und einen Kropf bilden (lateinisch: Struma). Das ebenfalls in der Schilddrüse gebildete Hormon Calcitonin spielt eine Rolle im Calcium-Stoffwechsel.

3. Wie äußert sich eine Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse?

Von einer Über- oder Unterfunktion spricht man, wenn die Drüse zu viele beziehungsweise zu wenige Hormone produziert. Das hat Auswirkungen auf die von der Schilddrüse gesteuerten Körperfunktionen. Die Symptome sind vielfältig: Eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) kann sich beispielsweise in Nervosität, Konzentrationsschwäche, Schlafstörungen oder vermehrtem Schwitzen äußern. Symptome der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) können dagegen Kälteempfindlichkeit, Antriebslosigkeit oder depressive Verstimmungen sein.

4. Welche Schilddrüsenwerte sind normal?

Üblicherweise bestimmt der Arzt zur Orientierung den sogenannten TSH-Wert. TSH ist ein Hormon, das in der Hirnanhangsdrüse entsteht. Es steuert die Hormonproduktion der Schilddrüse. Als "normal" gilt ein TSH-Wert, der sich in einem bestimmten Spektrum bewegt. "Der Normbereich liegt bei einem TSH-Wert von 0,4 bis 4", erklärt Dr. Roland Gärtner, emeritierter Professor am Universitätsklinikum München. Die Werte für die Schilddrüsenhormone T3 und T4 können je nach Lebenssituation variieren: "Junge Frauen haben oft Hormonwerte im höheren Bereich. Bei älteren Menschen ist dagegen eine leichte Unterfunktion der Schilddrüse normal."

5. Welche Krankheiten gibt es zum Beispiel?

Schilddrüsenüber- und Schilddrüsenunterfunktionen können auf verschiedene Ursachen und Krankheiten zurückzuführen sein. Eine Schilddrüsenunterfunktion ist nur in seltenen Fällen angeboren, oft ist sie das Resultat einer Schädigung des Schilddrüsengewebes, etwa bei einer Entzündung. Als Hashimoto-Thyreoiditis bezeichnet man eine chronische Entzündung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem des eigenen Körpers das Schilddrüsengewebe angreift. Man spricht daher auch von einer Autoimmunkrankheit.

Eine Überfunktion ist zu mehr als 95 Prozent entweder auf eine Basedowsche Krankheit (Morbus Basedow) oder eine Autonomie zurückführbar. Bei einer funktionellen Autonomie produzieren Teile der Schilddrüse unkontrolliert Hormone. Die Basedowsche Krankheit ist auch eine Autoimmunerkrankung. Bei ihr bildet der Körper bestimmte Antikörper, welche zu einer verstärkten Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen führen.

Daneben gibt es den Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom). Die Ursachen dieser Erkrankung sind nicht eindeutig geklärt. Ein Risikofaktor sind unter anderem erhöhte Belastungen mit Röntgenstrahlen oder radioaktive Strahlung. Jährlich erkranken in Deutschland etwa 5000 Menschen an Schilddrüsenkrebs.

6. Woran erkenne ich eine Erkrankung?

Ein Kropf am Hals liefert den am deutlichsten sichtbaren Hinweis auf eine mögliche Schilddrüsenerkrankung, ist aber natürlich nicht bei allen Störungen vorhanden. Eine verlässliche Diagnose kann nur der Arzt vornehmen. Auch die Symptome können, müssen aber nicht zwangsläufig für eine Fehlfunktion sprechen. Schlafstörungen können beispielsweise bei den verschiedensten Problemen auftreten, chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit können auch Anzeichen für eine Depression sein. "Menschen, die einen Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung haben, empfehle ich daher auf jeden Fall eine ärztliche Untersuchung", sagt Roland Gärtner.

7. Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Die Therapie richtet sich nach der Art der Erkrankung. Grundsätzlich können die meisten Schilddrüsenprobleme inzwischen mit einer hohen Erfolgsrate behandelt werden. Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion können zum Beispiel Tabletten mit synthetischem Thyroxin (T4) helfen. Die Schilddrüsenüberfunktion wird normalerweise mit Thyreostatika behandelt. Sie hemmen die Produktion von Schilddrüsenhormonen. Wenn diese Maßnahme nicht ausreicht, kommt auch eine Radiojodtherapie oder ein operativer Eingriff infrage.

8. Macht eine Vorsorgeuntersuchung Sinn?

Schilddrüsenerkrankungen sind zu einem gewissen Teil auch erblich veranlagt. Wenn in Ihrer Familie zahlreiche Fälle von Fehlfunktionen oder Kröpfen bekannt sind, kann eine Vorsorgeuntersuchung auch ohne akute Symptome sinnvoll sein. Sprechen Sie darüber am besten mit Ihrem Hausarzt. "Alle anderen sollten sich ab dem 40. Lebensjahr in regelmäßigen Abständen von ein bis zwei Jahren untersuchen lassen", erklärt Dr. Joachim Feldkamp, Chefarzt der Klinik für Allgemeine Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie des Klinikums Bielefeld.

Der Arzt kann die Schilddrüse mit der Hand nach Unregelmäßigkeiten abtasten. Zusätzlich kann er das Organ per Ultraschall untersuchen und den TSH-Wert bestimmen. Diese Untersuchungen gehören aber nicht zu den normalen Vorsorgeleistungen der gesetzlichen Krankenkassen. Sie müssen daher die Kosten dafür unter Umständen selbst übernehmen, wenn keine medizinische Notwendigkeit für ihre Durchführung besteht.

9. Wie kann ich mich schützen?

Die wichtigste Vorsorgemaßnahme besteht in einer ausreichenden Versorgung mit Jod. Der tägliche Bedarf hängt von verschiedenen Faktoren – wie Alter und Umweltbelastung – ab. Die empfohlene Jodzufuhr für einen Erwachsenen liegt bei 200 Mikrogramm. Neben dem bekannten Jodsalz spielen dabei viele andere Lebensmittel eine wichtige Rolle: "Mit der Menge, die Sie über Jodsalz aufnehmen, könnten Sie gar nicht Ihren Tagesbedarf an Jod abdecken", erläutert Feldkamp. "Viel wichtiger zur Sättigung des Jodhaushaltes ist zum Beispiel Brot, das große Mengen an Jod enthält." Milch, Milchprodukte sowie Fisch und Meeresfrüchte helfen ebenfalls, den täglichen Jodbedarf zu decken. Auch der Verzicht auf Rauchen schont die Schilddrüse. "Zigarettenrauch enthält Zyanid, das die Jodaufnahme in der Schilddrüse blockiert", so Gärtner.

10. Ist zu viel Jod schädlich?

"Allein über die tägliche Nahrungsaufnahme ist es praktisch unmöglich, zu große Mengen an Jod zu sich zu nehmen", erklärt der Endokrinologe Roland Gärtner. "Aufpassen sollte man allerdings bei einigen Medikamenten, die zum Teil große Mengen an Jod enthalten." Eine gesunde Schilddrüse kommt auch mit einer kurzzeitigen Überversorgung gut zurecht.



Bildnachweis: Fotolia/Adiano, W&B/Fancy, LiquidLibrary/ DynamicGraphics, Thinkstock/iStockphoto

Schilddrüse

rechter Seitenlappen Isthmus Kehlkopf Luftröhre linker
Seitenlappen
Pyramidenlappen Pyramidenlappen Schildknorpel Isthmus Rechte Halsschlagader Innere rechte
Hals-/Drosselvene
Läppchen mit Follikeln

Das Schilddrüsengewebe wird durch Bindegewebshäutchen in unterschiedlich große Läppchen untergliedert. In diesen Bindegewebshäutchen verlaufen sehr viele Blutgefäße, um die starke Durchblutung der Drüse, die direkt aus der Halsschlagader mit sauerstoffreichem Blut versorgt wird, sicherzustellen. Das verbrauchte Blut wird unter anderem über die linke und rechte Hals- bzw. Drosselvene wieder abgeführt. Die Bildung und Speicherung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Trijodthyronin (T3) erfolgt in kleinen bläschenförmigen Follikeln.

Der Isthmus (gr. schmaler Zugang) verbindet die Seitenlappen miteinander. Nur bei etwa jedem fünften Menschen befindet sich hier noch ein weiterer Lappen, der nach oben zum Schildknorpel zieht und als Pyramidenlappen bezeichnet wird.

In den Läppchen der Schilddrüse liegen die hormonproduzierenden Zellen. Den Hauptteil des Schilddrüsengewebes bilden so genannte Follikel, ungleichmäßig gestaltete Bläschen, die die beiden jodhaltigen Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin bilden und speichern. Das Hormon Kalzitonin wird dagegen von C-Zellen gebildet, die eingestreut zwischen den Follikeln liegen. Es reguliert zusammen mit anderen Hormonen den Kalziumhaushalt des Körpers mit dem Ziel, den Kalziumspiegel im Gewebe konstant zu halten: Bei Bedarf wird Kalzium vermehrt in den Knochen eingebaut und damit der Kalziumspiegel im Blut gesenkt oder über die Niere vermehrt ausgeschieden. Gegenspieler des Kalzitonins ist das Parathormon aus den Nebenschilddrüsen, das Kalzium aus den Knochen freisetzt und dadurch den Kalziumspiegel im Blut erhöht.

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